rabenau

11-06-10

Grußwort der Familie von Rabenau zum Stadtfest

Liebe Bürgerinnen und Bürger Rabenaus

775 Jahre liegen gemeinsam hinter uns, auch wenn wir diese Strecke auf verschiedenen Wegen gegangen sind. Die Familie von Rabenau, die der Stadt ihren Namen gab, fühlt sich ihren Wurzeln noch immer außerordentlich stark verbunden. Das liegt vor allem daran, dass wir unsere Wurzeln immer noch finden und zu ihnen zurückkehren können. Das verdanken wir vor allem Ihnen, den Bürgerinnen und Bürgern.
Die Familie von Rabenau lebte nur um die fünfzig Jahre hier und der Weggang war auch alles andere als freiwillig. Das dürfen wir wohl annehmen. Längst ist durch die historische Forschung belegt, dass die sogenannte Dohnasche Fehde erst 1385 stattfand und daher nicht der Grund für den Verlust der Herrschaft Rabenau gewesen sein kann. Auch unsere Familienchronik wies dies lange Zeit falsch aus.
Von Rabenau führte uns der Weg nach Niederschlesien und in die Oberlausitz, aber mit kleineren Zweigen z.B. auch nach Brieg und Brünn. Wie die große Masse der deutschen Adelsfamilien waren wir danach über Jahrhunderte als Rittergutsbesitzer völlig unauffällig in der Landwirtschaft tätig. Erst die großen gesellschaftlichen Veränderungen im Zuge der Aufklärung, der Entstehung der Nationalstaaten oder der industriellen Revolution nahmen starken Einfluss auf die Geschicke der Familie. Der eigenständige selbst besessene Gutsbesitz endete so noch vor dem Ausbruch des 1. Weltkrieges in Copitz bei Pirna, nicht weit von unseren historischen Wurzeln entfernt.
Vor allem aber die entscheidenden politischen Veränderungen des zwanzigsten Jahrhunderts führten dann dazu, dass sich die Familie vermehrt anderen Berufszweigen zuwandte, worunter der Offizierberuf und der des Theologen die stärksten Ausprägungen aufwiesen, gefolgt von Medizinern, Kaufleuten und Juristen. Ihren Grundwerten und -überzeugungen ist die Familie von Rabenau immer treu geblieben. Seit 2004 erinnert in der St. Egidienkirche eine Gedenktafel an den General der Artillerie a.D., Dr. h.c. Friedrich v. Rabenau, der seine Ablehnung des NS-Regimes im April 1945 im KZ Flossenbürg noch mit dem Leben bezahlen musste. Aber auch andere Angehörige der Familie, wie der Pfarrer Dr. Eitel-Friedrich v. Rabenau, der in Berlin-Schöneberg in ähnlicher Weise wirkte oder vor mehr als zweihundert Jahren der Domprobst zu Naumburg/Saale, Eduard v. Rabenau, stehen für das gesellschaftliche Wirken der Familie.
Als die Familie am vergangenen Wochenende ihren 775. Geburtstag in Rabenau feierte, ergaben sich verschiedene zufällige Gespräche mit Einwohnern der Stadt. Immer wieder machen wir dabei die Erfahrung, dass beide Seiten eigentlich recht wenig von einender wissen. So wie ich es aber 1992 beim Stadtfest anlässlich des 100. Jahrestages der Einweihung des Rathauses gesagt hatte, wollen wir unseren Beitrag dazu leisten, daran etwas zu ändern. So begehen wir seit dem etwa alle zehn Jahre unseren Familientag in Rabenau. Zuletzt waren wir im Sommer 2002 in Rabenau, nur wenige Wochen, bevor die Naturgewallten mit einer unvorstellbaren Kraft weite Teile des Weißeritztals verwüsteten.
Das Schicksal hat es bei allen Wirrungen in den letzten acht Jahrhunderten dennoch gut mit uns gemeint, da es im Gegensatz zu vielen alten Adelsfamilien die Familie von Rabenau bis heute noch gibt. Mit ungefähr einhundert lebenden Nachfahren sind wir heute zwar keine sehr große Familie, aber wir haben doch eine gesunde Substanz. Jüngst gelang es uns nach einer rund dreijährigen intensiven Recherchearbeit herauszufinden, wie die Familie von Rabenau in den USA mit uns verwandt ist. Der Name war zu selten um an einen Zufall der Doppelexis-tenz zu glauben. Des Rätsels Lösung fand sich dann in dem bekannten Heimatforscher Alexander v. Rabenau in Vetschau, der eine Zeitlang in den USA lebte. Dieser Aufstellung ließen sich noch manche Namen hinzufügen. Im Stile der heutigen Zeit kann ich dazu nur sagen, ich lade sie alle herzlich ein, im Internet selbst auf die Suche zu gehen. Auch für die Familienangehörigen selbst ist dies immer wieder eine höchst interessante Entdeckungsreise.
Liebe Bürgerinnen und Bürger, ich darf Ihnen allen in meiner Eigenschaft als Senior der Familie von Rabenau ein schönes Jubiläumsfest mit vielen Erlebnissen und nachhaltigen Eindrücken wünschen. Die Familie ist heute fast ausschließlich in den alten Bundesländern ansässig und konnte daher ihre Feier nicht auf das Wochenende des Stadtfestes legen. Die weiten An- und Abreisewege erfordern ein verlängertes Wochenende, sodass wir wegen des Fronleichnamstages in einigen Bundesländern das letzte Wochenende nehmen mussten.
Wir wünschen der Stadt und ihren Einwohnern schöne Tage der Rückschau und eine prosperierende Zukunft. So wie Sie es, sicher mit Hilfe von Land und Bund, geschafft haben, die Spuren der Zerstörung nach 2002 zu beseitigen und von wenigen Ausnahmen vielleicht abgesehen den Wiederaufbau erfolgreich abgeschlossen haben, zeigt sich uns welch schaffensreicher Menschenschlag im Tal der Weißeritz lebt. Wir zollen Ihnen für diese Leistung unseren vollen Respekt.

Wolf-Teja von Rabenau

One Comment on “Grußwort der Familie von Rabenau zum Stadtfest”

  • Rabenau

    Nach Überlieferung innerhalb unserer Familie, stammen auch wir aus Rabenau. Wir sind im Zusammenhang mit Friedrich König von Böhmen( Fenstersturz uns Schlacht am Weißen Berge bei Prag mit dem geschlagenen Friedrich in seine Erblande nach Heidelberg und die Pfalz gekommen. Meine Vorfahren haben als verarmte ihren Titel Von abgelegt und dann als bürgerliche gelebt. viele Pfarrer, Lehrer und Amtsleute sind aus unserer familie hervor gegangen. Ist in Ihren urkunden etwas von diesem geschehen zu finden? Über eine Information wäre ich sehr dankbar.
    Mit freundlichen Grüßen Alexander Rabenau

    07-27-10 » 17:56 »

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